Fliegenpilz (Amanita muscaria): der vollständige Steckbrief

Amanita muscaria, der Fliegenpilz, ist ein Waldpilz mit rotem Hut und weißen Flocken. Er ist auf der ganzen Nordhalbkugel heimisch und wächst dort mit Birke, Kiefer und Fichte. Er ist giftig und psychoaktiv. Seine wichtigsten Wirkstoffe sind Ibotensäure und Muscimol; Psilocybin enthält er nicht.

Zuletzt aktualisiert 17. Oktober 2026 · Nordic Nita

Fliegenpilz (Amanita muscaria) mit rotem Hut und weißen Punkten im Moos unter Birken in einem nordischen Wald

Amanita muscaria auf einen Blick

Lateinischer NameAmanita muscaria
Deutsche NamenFliegenpilz, Roter Fliegenpilz
FamilieWulstlingsverwandte (Amanitaceae)5
Hut10–20 cm breit, rot bis orange, mit weißen, warzenartigen Velumresten5
LebensraumWälder und Heiden, in Partnerschaft mit Birke, Kiefer und Fichte5,6
VerbreitungAuf der ganzen Nordhalbkugel heimisch; in Australien und Neuseeland eingeschleppt5
SaisonSpätsommer bis Frühwinter; in Großbritannien und Irland August bis November5,6
Wichtigste WirkstoffeIbotensäure und Muscimol1
Enthält PsilocybinNein3
GiftigkeitGiftig und psychoaktiv. Todesfälle sind selten, aber dokumentiert2,5,6

Was ist Amanita muscaria (Fliegenpilz)?

Amanita muscaria, auf Deutsch Fliegenpilz, ist ein großer Waldpilz mit rotem Hut und weißen Flocken. Er gehört zur Familie der Wulstlingsverwandten (Amanitaceae) und ist die Typusart der Gattung Amanita. Carl von Linné beschrieb ihn erstmals 1753.5

Er ist einer der bekanntesten Pilze der Welt – und einer der am häufigsten missverstandenen. Er ist kein psilocybinhaltiger „Zauberpilz“, aber auch keine harmlose Märchendekoration. Er ist eine giftige, psychoaktive Art mit einer langen Geschichte menschlicher Nutzung.1 Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Fakten zusammen, jeweils mit Quelle.

Woran erkennt man einen Fliegenpilz?

Botanische Illustration des Fliegenpilzes: junger Pilz, ausgewachsener Pilz und Querschnitt mit Lamellen, Ring und Knolle

Ein ausgewachsener Fliegenpilz hat einen roten oder orangefarbenen Hut von 10–20 cm Breite mit verstreuten weißen Flocken, weiße, dicht stehende Lamellen und einen weißen Stiel mit Ring und knolliger Basis. Der Hut ist zunächst halbkugelig und wird mit zunehmendem Alter flach.5

Hut10–20 cm, rot oder orange, im Alter flach5
FlockenWeiße Reste der Hülle (Velum), die den jungen Pilz umgibt. Regen kann sie abwaschen6
LamellenWeiß, frei und dicht stehend, im Alter blassgelb5
StielWeiß, 10–25 cm lang und 1,5–2 cm dick, mit geriefter Manschette5
BasisKnollig, mit Resten der Scheide (Volva)5
SporenpulverWeiß5

Weil die Flocken nur locker haften, kann ein vom Regen abgewaschener Fliegenpilz einen rein roten Hut haben. Die Farbe allein reicht zur Bestimmung also nicht aus. Mehrere andere Arten können ähnlich aussehen, darunter der Perlpilz (Amanita rubescens) und der Kaiserling (Amanita caesarea).5

Ein Ratgeber im Internet ist keine sichere Grundlage, um einen Wildpilz zu essen. Wenn Sie unsicher sind, was Sie gefunden haben, wenden Sie sich an eine Pilzberatungsstelle oder einen örtlichen Pilzverein.

Wo und wann wächst Amanita muscaria?

Amanita muscaria ist auf der ganzen Nordhalbkugel heimisch, auch in Europa, Asien und Nordamerika. Er wächst in Wäldern und Heiden, vor allem unter Birken, Kiefern und Fichten, und fruktifiziert vom Spätsommer bis zum Frühwinter.5,6

Der Fliegenpilz ist ein Ektomykorrhizapilz: Er lebt in Partnerschaft mit den Wurzeln von Bäumen und erscheint deshalb Jahr für Jahr neben denselben Bäumen. In Australien und Neuseeland wurde er eingeschleppt und gilt dort als Problem für heimische Pilze.5

In Großbritannien und Irland reicht die Saison von August bis November.5 Die Kappen von Nordic Nita werden in nordischen Wäldern gesammelt, unter anderem in Finnland und Schweden.

Was ist in Amanita muscaria enthalten?

Die beiden wichtigsten Wirkstoffe in Amanita muscaria sind Ibotensäure und Muscimol.1 Ibotensäure wirkt auf die erregenden NMDA-Rezeptoren des Gehirns, Muscimol aktiviert die hemmenden GABA-Rezeptoren. Diese gegensätzliche Wirkung erklärt zum Teil, warum die berichteten Effekte so stark schwanken.2

WirkstoffWirkungGut zu wissen
IbotensäureStarker Agonist an NMDA-Rezeptoren (erregend)2Wird beim Trocknen des Pilzes teilweise in Muscimol umgewandelt2
MuscimolSelektiver Agonist an GABAA-Rezeptoren (hemmend)3Gilt als wichtigster psychoaktiver Wirkstoff3
MuscarinNur in Spuren vorhanden, etwa 0,0003 % des Pilzgewichts2Trotz des Namens eine Menge, die als zu gering für giftige Wirkungen gilt2

Trocknen verändert die Chemie. Beim Trocknen wird ein Teil der Ibotensäure durch Decarboxylierung in Muscimol umgewandelt, wodurch der Gehalt an Ibotensäure sinkt.2,3

Der Wirkstoffgehalt schwankt. Die Konzentrationen von Ibotensäure und Muscimol können je nach Standort, Zubereitung und Verarbeitung deutlich voneinander abweichen, und eine standardisierte Analysemethode gibt es noch nicht.2 Deshalb ist die Prüfung jeder Charge bei getrockneten Kappen wichtig.

Ist Amanita muscaria giftig?

Ja. Amanita muscaria ist ein Giftpilz, der auf das zentrale Nervensystem wirkt.1 Die meisten Vergifteten erholen sich mit Behandlung im Krankenhaus, doch schwere Fälle verlaufen mit Krampfanfällen, Koma oder Atemversagen, und Todesfälle sind zwar selten, aber dokumentiert.2,5,6

Was passiert, wenn man ihn isst?

BeginnSymptome treten meist innerhalb von 30 Minuten bis 2 Stunden auf2
HöhepunktEtwa 2–3 Stunden nach der Einnahme2
DauerMeist 6–8 Stunden, abhängig von der Menge2
Häufige SymptomeÜbelkeit und Erbrechen, Koordinationsverlust, Unruhe, Muskelzittern, veränderte Wahrnehmung, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen2
Schwere FälleKrampfanfälle, Koma und Atemversagen2
BehandlungUnterstützende Behandlung im Krankenhaus. Die meisten Klinikaufenthalte enden nach 3–4 Tagen2

Roh gegessen verursacht der Pilz starke Magen-Darm-Beschwerden.5 Ärzte in Litauen berichten zudem von einer Verschiebung von unbeabsichtigten Vergiftungen hin zu absichtlichem Konsum; 2023 wurden dort vier Krankenhausfälle dokumentiert.3

Wenn jemand einen Wildpilz gegessen hat und sich unwohl fühlt

  • Notfall: Wenn die Person zusammengebrochen ist, einen Krampfanfall hat oder nicht richtig atmet, rufen Sie den Notruf (112 in der EU und in der Schweiz).
  • Deutschland, Österreich, Schweiz: Wenden Sie sich an den Giftnotruf beziehungsweise das Giftinformationszentrum Ihres Landes oder Ihrer Region.
  • USA: Poison Control, 1-800-222-1222. Kostenlos, vertraulich und rund um die Uhr erreichbar.9
  • Vereinigtes Königreich: NHS 111 für Rat, im Notfall 999.10
  • Haustiere: Wenden Sie sich sofort an eine Tierarztpraxis.

Ist Amanita muscaria psychedelisch?

Nicht so wie Psilocybin-Pilze. Amanita muscaria enthält kein Psilocybin. Sein wichtigster psychoaktiver Wirkstoff, Muscimol, wirkt auf GABAA-Rezeptoren und nicht auf die Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren, an denen Psilocybin ansetzt.3

Forschende beschreiben Muscimol als dämpfenden Stoff für das zentrale Nervensystem, in seiner Wirkweise näher an Alkohol oder Benzodiazepinen als an klassischen Psychedelika.4 Die beiden Pilzarten sollten nicht als austauschbar betrachtet werden.

Wie wirkt Amanita muscaria?

Berichtet werden Wirkungen von Schläfrigkeit, Übelkeit und Schwitzen bis zu verzerrtem Sehen und Hören, Euphorie und Schwindel.5 Klinische Berichte beschreiben außerdem Koordinationsverlust, Unruhe, Paranoia, Zittern und Halluzinationen.2,3 Die Wirkung ist schwer vorherzusagen, weil der Wirkstoffgehalt von Pilz zu Pilz schwankt.2

Die unangenehmen Wirkungen gehören zum Bild und sind keine Ausnahme. Übelkeit und Erbrechen zählen zu den am häufigsten berichteten Symptomen.2

Warum heißt der Fliegenpilz Fliegenpilz?

Der Artname stammt vom lateinischen musca, Fliege. Traditionell wurden die Hüte in Untertassen mit Milch zerbröselt, um Stubenfliegen anzulocken und zu töten. Die Ibotensäure im Pilz löst sich in der Milch und vergiftet die Insekten.5,6

Auch kulturell hat der Fliegenpilz eine lange Geschichte. Seine Nutzung reicht bis in die Antike zurück und wurde mit mystischen Praktiken in Verbindung gebracht.1 Auf viktorianischen und edwardianischen Weihnachtskarten war er ein Glücksymbol, einer Legende nach gehen die roten und weißen Farben des Weihnachtsmanns auf ihn zurück, und er kommt in Alice im Wunderland vor.6 Die Behauptung, Wikinger-Berserker hätten ihn verwendet, ist eine spätere Theorie, die wir in unserem Ratgeber zum Berserker-Fliegenpilz prüfen.

Wie unterscheidet sich der Fliegenpilz vom Pantherpilz und vom Königsfliegenpilz?

Illustration: Fliegenpilz, Pantherpilz und Königsfliegenpilz im Vergleich nebeneinander

Der Fliegenpilz hat einen roten oder orangefarbenen Hut. Der Pantherpilz (Amanita pantherina) und der Königsfliegenpilz (Amanita regalis) sind braunhütige Verwandte, die dieselben Hauptwirkstoffe enthalten: Ibotensäure und Muscimol.5,7,8

ArtHutWächst mitWo
Amanita muscaria
Fliegenpilz
10–20 cm, rot oder orange, weiße Flocken5Birke, Kiefer und Fichte5Auf der ganzen Nordhalbkugel5
Amanita pantherina
Pantherpilz
5–12 cm, glänzend braun oder graubraun, reinweiße Flocken8Vor allem Laubbäume, meist Eiche und Buche8Selten in Großbritannien, häufiger in Südeuropa8
Amanita regalis
Königsfliegenpilz
10–20 cm, glänzend braun, weiße Velumreste7Nadelbäume, besonders Fichte, und Birke7In Skandinavien recht häufig, in Großbritannien äußerst selten7

Die Arten sind nicht austauschbar. Bei Vergiftungen traten Verwirrtheit und Unruhe häufiger bei Amanita muscaria auf, während Amanita pantherina häufiger zu Bewusstlosigkeit und Koma führte.2 Amanita regalis wurde früher als Varietät des Fliegenpilzes geführt und ist bis heute ein sehr naher Verwandter.7

Worauf sollten Sie bei getrockneten Amanita-muscaria-Kappen achten?

Achten Sie auf ganze Kappen einer gesicherten Art, eine angegebene Herkunft, ein bekanntes Trocknungsverfahren und eine unabhängige Laborprüfung. Ganze Kappen zeigen, was Sie kaufen – Pulver und Mischmaterial tun das nicht.

So arbeitet Nordic Nita:

  • Nur ganze Kappen. Junge, runde Kappen. Niemals Stiele, Mischmaterial oder Pulver.
  • Nordische Herkunft. Gesammelt in nordischen Wäldern, unter anderem in Finnland und Schweden.
  • Kontrollierte Trocknung. Amanita muscaria wird nahe dem Sammelgebiet auf professionellen Anlagen bei 35–40 °C getrocknet.
  • Laborgeprüft. Jede Charge wird von einem unabhängigen Labor auf Schwermetalle und Muscimol geprüft. Jede Schachtel trägt einen QR-Code, mit dem Sie die Ergebnisse für Ihr Produkt prüfen können.
  • Versand mit Sendungsverfolgung. Bestellungen werden von Logistikpartnern in Dänemark, Finnland und Estland verpackt und in ganz Europa versendet.

Sehen Sie sich unsere getrockneten Fliegenpilz-Kappen an oder vergleichen Sie alle drei Arten in der Kollektion von Nordic Nita. Wie wir sammeln, trocknen und prüfen, lesen Sie auf der Seite Über uns.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Amanita muscaria?

Amanita muscaria, der Fliegenpilz, ist ein Waldpilz mit rotem Hut und weißen Flocken. Er ist auf der ganzen Nordhalbkugel heimisch und wächst in Partnerschaft mit Birke, Kiefer und Fichte. Er ist giftig und psychoaktiv; seine wichtigsten Wirkstoffe sind Ibotensäure und Muscimol.

Ist Amanita muscaria psychedelisch und enthält er Psilocybin?

Amanita muscaria enthält kein Psilocybin. Sein wichtigster psychoaktiver Wirkstoff, Muscimol, wirkt auf GABA-A-Rezeptoren und nicht auf die Serotonin-Rezeptoren, an denen Psilocybin ansetzt. Forschende beschreiben Muscimol als dämpfenden Stoff für das zentrale Nervensystem.

Kann man an einem Fliegenpilz sterben?

Todesfälle sind selten, aber dokumentiert. Die meisten Vergifteten erholen sich mit unterstützender Behandlung im Krankenhaus, meist innerhalb von 3–4 Tagen. Schwere Fälle können mit Krampfanfällen, Koma oder Atemversagen verlaufen; ein Vergiftungsverdacht ist daher immer dringend.

Kann man Fliegenpilze essen?

Nein. Der Fliegenpilz gilt als Giftpilz. Roh gegessen verursacht er starke Magen-Darm-Beschwerden, und seine Wirkstoffe wirken auf das zentrale Nervensystem.

Wo wächst Amanita muscaria?

Er wächst in Wäldern und Heiden auf der ganzen Nordhalbkugel, vor allem unter Birken, Kiefern und Fichten. In Australien und Neuseeland wurde er eingeschleppt. In Großbritannien und Irland fruktifiziert er von August bis November.

Kann ein Fliegenpilz ohne weiße Punkte sein?

Ja. Die weißen Flocken sind lose Reste der Hülle, die den jungen Pilz umgibt. Regen kann sie abwaschen, sodass ein rein roter oder orangefarbener Hut zurückbleibt.

Ist Muscarin der Wirkstoff im Fliegenpilz?

Nein. Trotz des Namens ist Muscarin nur in Spuren vorhanden, etwa 0,0003 % des Pilzgewichts – eine Menge, die als zu gering für giftige Wirkungen gilt. Die wichtigsten Wirkstoffe sind Ibotensäure und Muscimol.

Weitere Ratgeber

Quellen

  1. Michelot D., Melendez-Howell L.M. (2003). Amanita muscaria: chemistry, biology, toxicology, and ethnomycology. Mycological Research 107(2): 131–146. doi:10.1017/s0953756203007305
  2. Ordak M. (2026). Amanita muscaria in the evolving novel psychoactive substances landscape – toxicological risks and clinical implications: a narrative review. Frontiers in Pharmacology 17: 1838212. doi:10.3389/fphar.2026.1838212
  3. Savickaitė E., Laubner-Sakalauskienė G. (2025). Emerging Risks of Amanita Muscaria: Case Reports on Increasing Consumption and Health Risks. Acta Medica Lituanica 32(1): 182–189. doi:10.15388/Amed.2025.32.1.23
  4. Leas E.C. et al. (2024). Need for a Public Health Response to the Unregulated Sales of Amanita muscaria Mushrooms. American Journal of Preventive Medicine. doi:10.1016/j.amepre.2024.05.006
  5. First Nature. Amanita muscaria, Fly Agaric mushroom.
  6. Woodland Trust. Fly agaric (Amanita muscaria).
  7. First Nature. Amanita regalis, Brown Fly Agaric mushroom.
  8. First Nature. Amanita pantherina, Panthercap mushroom.
  9. Poison Control (United States). Contact us.
  10. National Poisons Information Service (United Kingdom). Information for members of the public.

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